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12 Sep
2017

Endokrine Therapie. Die Bedeutung von Beharrlichkeit und Therapietreue

Nach der Operation erhalten Frauen mit hormonrezeptor-positivem Brustkrebs in der Regel für 5 bis 10 Jahre eine Anti-Hormontherapie. Die Antihormontherapie mit Medikamenten wirkt in zweierlei Hinsicht:
• indem die Menge an Östrogen im Körper gesenkt wird
• indem die wachstumsfördernde Wirkung von Östrogen auf Brustkrebszellen blockiert wird

Es gibt mehrere Arten der Hormontherapie. Tamoxifen, ein selektiver Östrogenrezeptormodulator (SERM), ist eines der bekanntesten Medikamente. Mit Tamoxifen können sowohl prä- als auch postmenopausale Frauen behandelt werden. Ab dem Jahr 2005 wurden auch Aromatase-Inhibitoren zur Therapie eingesetzt. Aromatase-Inhibitoren alleine sind bei prämenopausalen Frauen nicht anwendbar, da sie die Hormonspiegel bei intakten Eierstöcken sogar erhöhen.

Folgende Medikamente werden eingesetzt:
Aromatasehemmer: Anastrozol, Exemestan und Letrozol und das Antiöstrogen Tamoxifen. Diese Arzneimittel haben auch Nebenwirkungen. Tamoxifen kann Hitzewallungen verursachen und das Risiko von Blutgerinnseln und Schlaganfall erhöhen, sowie zum Aufbau der Gebärmutterschleimhaut führen. Aromatase-Inhibitoren können Muskel- und Gelenkschmerzen und Osteoporose verursachen. Weniger häufige aber gravierende Nebenwirkungen von Aromatasehemmern sind Herzprobleme und Fettstoffwechselstörungen.
Untersuchungen haben gezeigt, dass bis zu 25% der Frauen, denen eine hormonelle Therapie verschrieben wird, entweder die Medikamenteneinnahme gar nicht erst beginnen oder vorzeitig beenden. Nun stellt sich die Frage, welche Auswirkungen ein solches verhalten hat.

In einer Studie analysierten Forscher Informationen, die von 1999 bis 2003 im Rahmen der BIG 1-98 Studie gesammelt wurden. Die BIG 1-98 Studie wurde entwickelt, um festzustellen, welche Behandlung mit der Hormontherapie am wirksamsten ist:
• 5 Jahre Femara allein
• 5 Jahre Tamoxifen allein
• 2 Jahre Tamoxifen gefolgt von 3 Jahren Femara
• 2 Jahre Femara gefolgt von 3 Jahre Tamoxifen für postmenopausale Frauen mit Hormonrezeptor-positivem Brustkrebs.

Zusätzlich wurden auch Daten über die “Beharrlichkeit” und „Therapietreue“ bei 6144 Frauen in der BIG 1-98-Studie analysiert. Die Forscher wollten sehen, ob Frauen, die konsequent ihre Medikamente einnahmen, ein besseres krankheitsfreies Überleben zeigen als Frauen, die nicht entsprechend beharrlich und/oder therapietreu waren. Als krankheitsfreies Überleben wurde definiert, wie lange die Frauen lebten, ohne dass der Krebs zurückkommt oder ein neuer Krebs in der anderen Brust diagnostiziert wurde.
Die Frauen wurden zwischen den verschiedenen hormonellen Therapie-Behandlungen gleichmäßig aufgeteilt:

• 1541 Frauen erhielten 5 Jahre Letrozol
• 1535 Frauen erhielten 5 Jahre Tamoxifen
• 1541 Frauen erhielten 2 Jahren Tamoxifen gefolgt von 3 Jahren Letrozol
• 1527 Frauen erhielten 2 Jahren Letrozol gefolgt von 3 Jahren Tamoxifen

“Beharrlichkeit” bezeichnet, wie lange die Frauen die Hormontherapie einnahmen, denen für 60 Monate die Hormontherapie verschrieben wurde. Insgesamt etwa 19% der Frauen haben die vorgeschriebene Zeit der Hormontherapie (mindestens 54 Monate) nicht erreicht.

Der Anteil der Frauen, die vorzeitig die Therapie abgebrochen hatten folgende Therapien:
• 17,5% der Frauen haben 5 Jahren Letrozol nicht abgeschlossen
• 17% der Frauen haben 5 Jahren Tamoxifen nicht abgeschlossen
• 21% der Frauen haben 2 Jahren Tamoxifen und 3 Jahre Letrozol nicht abgeschlossen
• 20% der Frauen haben 2 Jahren Letrozol und 3 Jahren Tamoxifen nicht abgeschlossen

Frauen, die eine Hormontherapie vorzeitig beenden haben eine 35% bis 56% höhere Wahrscheinlichkeit ein Rezidiv zu erleiden.

„Therapietreue“ (Konformität) kennzeichnet, wie konsequent die Frauen in der Einnahme der hormonellen Therapie waren; den Frauen wurden Rezepte alle 6 Monate ausgestellt – jede Frau, die während jeder Periode von 6 Monaten mindestens 80% der Pillen nahm und keine Behandlungspausen, die 7 Tage oder länger waren einlegten, wurden als „konform“ betrachtet. Insgesamt 5,1% der Frauen haben weniger als 80% der Tabletten eingenommen oder Therapiepausen von mehr als 7 Tagen (in 6 Monaten) einlegt.

Der Anteil der Frauen, die nicht konform blieben:
• 4,5% der Frauen mit 5 Jahren Letrozol waren nicht konform
• 5,7% der Frauen mit 5 Jahren Tamoxifen waren nicht konform
• 5,2% der Frauen mit 2 Jahren Tamoxifen und 3 Jahre Letrozol waren nicht konform
• 5,3% der Frauen mit 2 Jahren Letrozol und 3 Jahren Tamoxifen waren nicht konform

Frauen, die nicht „konform bzw. adhärent“ die Hormontherapie durchführten, haben sogar eine 61% höhere Wahrscheinlichkeit ein Rezidiv zu erleiden.

Die meisten Frauen, die hormonelle Therapie frühzeitig beendet hatten, gaben 83 % an, dass sie das Medikament wegen der Nebenwirkungen abgesetzten. Gelenkschmerzen war der häufigste Grund für Frauen die Einnahme von Letrozol vorzeitig zu beenden. Die Sorge vor Blutgerinnsel (Thrombosen) waren der häufigste Grund Tamoxifen abzusetzen.

Unter den Frauen, die sich zur vorzeitigen Beendigung der Therapie entschieden, fanden sich häufiger Frauen die,
• älter waren
• geraucht haben oder ehemalige Raucherinnen waren
• eine lymphknoten-negative Erkrankung (keine Krebszellen in den Lymphknoten) hatten
• eine Vorgeschichte mit Thrombose (Blutgerinnseln) aufwiesen
• von einer Hormontherapie auf die andere umgeschaltet hatten

Kommentar Mammazentrum Hamburg: Wenn Sie Patientin sind, bei der ein Hormon-Rezeptor-positiver Brustkrebs diagnostiziert wurde und eine Hormontherapie nach der Operation und ggf. Bestrahlung verordnete wurde, ist es sehr wichtig, dass Sie das Medikament so lange einnehmen, wie es vorgeschrieben ist und bei der täglichen Dosis bleiben. Auch ein hormonrezeptorpositiver Brustkrebs kann zurückkehren (örtlich oder in anderen Organen, z.B. Knochen). Eine hormonelle Therapie nach der Operation verringert dieses Risiko signifikant. Gegen die Nebenwirkungen gibt es wirksame Maßnahmen. Bitte sprechen Sie immer mit Ihrem behandelnden Arzt bevor Sie die Medikamente absetzen.

Quelle: “Treatment Adherence and Its Impact on Disease-Free Survival in the Breast International Group 1-98 Trial of Tamoxifen and Letrozole, Alone and in Sequence.

 

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