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5 Feb
2018

Genexpression von Tumorzellen. Analyse und Konsequenzen für Diagnostik und Behandlung

Durch die Entwicklung neuer Krebsmedikamente brechen für die Präzisionsmedizin neue Zeiten an. Wenn mittels Gentest ein Patient mit einem onkogenen Treiber identifiziert wird, besteht das Potenzial, hochselektive Arzneimittel zur Hemmung der onkogenen Treiber anzuwenden. Ergebnisse mit der gezielten „Tumortyp-agnostischen“ Krebstherapie sind erstmals beim Kongress der American Society of Clinical Oncology (ASCO) 2017 vorgestellt worden. Der orale Wirkstoff Larotrectinib wurde nicht nur bei einer, sondern gleichzeitig bei ganz unterschiedlichen Krebsarten in so genannten „Basket Trials“ erprobt und dies sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern. „Die Ergebnisse bringen uns in eine neue Ära: Wir behandeln unabhängig von der Lokation des Krebses“, kommentierte dies ASCO-Experte Prof. Dr. Sumanta Kumar Pal, City of Hope Krebszentrum bei Los Angeles, Kalifornien.
Die jetzt im NEJM publizierten Ergebnisse beinhalten Daten aus drei weiteren Monaten der Nachbeobachtung von Patienten im Vergleich zu den 2017 präsentierten Ergebnissen. Der neue Kinase-Inhibitor Larotrectinib, der die Signalweiterleitung an Tropomyosin-Rezeptoren blockiert, hat in 3 Studien bei 17 verschiedenen Krebser­krankungen langfristige Remissionen erzielt. Dabei geht es um Studiendaten zur Behandlung von an Krebs erkrankten Kindern und Erwachsenen, bei deren Tumoren sich neurotrophe Tyrosin-Kinase-Rezeptor (NTRK)-Gene, die für die Tropomyosin-Rezeptor-Kinase (TRK)-Rezeptoren kodieren, mit anderen DNA-Abschnitten verbunden haben (Genfusionen). Diese genetische Veränderung kann bei vielen Krebserkrankungen vorkommen und bewirkt eine unkontrollierte TRK-Signalgebung mit nachfolgendem Tumorwachstum. Der Wirkstoff Larotrectinib wurde zielgerichtet entwickelt, um den für das Tumorwachstum verantwortlichen Signalweg in unterschiedlichen bösartigen Tumoren gezielt zu blockieren.

Der Nachweis, dass die zirkulierenden Tumorzellen auch bei der Therapieentscheidung helfen, steht noch aus, berichtete Privatdozent Dr. Marc Thill vom Brustzentrum der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe des Markus Krankenhauses in Frankfurt auf dem Deutschen Krebskongress. In einer Studie beim metastasierten Mammakarzinom führte der Wechsel der Chemotherapie aufgrund der noch im Blut zirkulierenden Tumorzellen nicht zu einem besseren Gesamtüberleben als das Beibehalten der bisherigen Therapie.
Die US-amerikanische Krebsgesellschaft ASCO gesteht der Methode derzeit nur ein Potenzial für die Zukunft zu, die Anwendung sollte zunächst auf Studien beschränkt werden, um die Datenlage zu verbessern.
„Noch nicht bereit für die Prime Time“, so könnte am besten den aktuellen Stand der Tumorzellanalyse im Blut beschreiben. Zu diesem Ergebnis kam ein Gremium von Experten der American Society of Clinical Oncology (ASCO) und des College of American Pathology (CAP).”Zur Zeit gibt es nicht genügend Beweise, um die routinemäßige Verwendung von ctDNA-Tests für Krebs im Frühstadium zu unterstützen, Behandlungsentscheidungen zu treffen, zu überwachen, wie gut eine Behandlung funktioniert, verbleibende Krebszellen zu finden oder Krebsfrüherkennungsuntersuchungen durchzuführen“.

Deshalb gibt es noch keine Empfehlung Tests, die zirkulierende Tumor (CT) -DNA messen, außerhalb des Rahmens einer klinischen Studie verwendet werden sollten. Es gibt noch zu viele offene Fragen bezüglich der Genauigkeit, Zuverlässigkeit und Reproduzierbarkeit der Tests.

Untersucht wird auch, ob man mit ein Bluttest anhand der Genexpressionsprofile von Tumorzellen künftig herausfinden kann, wann und wo sich im Körper ein Tumor entwickelt. Ein solcher Bluttest wurde schon für acht Krebsarten entwickelt, die nicht weniger als sechzig Prozent der Krebsfälle ausmachen. Auch wenn der Test noch nicht zu 100% zuverlässig ist (er gibt nicht in allen Fällen aussagekräftige Resultate) können damit Tumorzellen und selbst Tumorzellfragmente im Blut in einem sehr frühen Stadium nachgewiesen werden, bevor der Tumor Beschwerden auslöst oder Mensch etwas davon bemerkt, dass  sich Metastasen gebildet haben..
Für die Patienten steht der Test noch nicht zur Verfügung. Und das liegt weniger an der Studie selbst, als vielmehr einerseits an den Kosten, andererseits an den Umständen, wie mit solchen Bluttests auf Krebs – „Liquid Biopsy“ genannt – und mit Gentests generell in unseren Gesundheitssystemen umgegangen wird.
Sie auch den  Artikel über die Zukunft der Krebsdiagnostik der FAZ.

Kommentar Mammazentrum Hamburg: Wie wichtig solche Testsysteme sind zeigt sich daran, dass es neue Medikamente gibt die bei bestimmten Tumoreigenschaften wirksam sind, egal ob es sich um Hautkrebs, Darmkrebs oder Brustkrebs handelt. Pembrolizumab ist ein solcher Wirkstoff. Er blockiert die Bindung von PD-L1 und PD-L2 an den PD-1-Rezeptor auf T-Zellen. Dadurch wird die Immunantwort gegen die Krebszellen unabhängig vom  primär erkrankten Organ angeregt und kann deshalb bei der Behandlung unterschiedlicher Krebsarten eingesetzt werden. Besonders profitieren nur Patienten mit mindestens 50% Expression des PD-L1. Diesen Nachweis kann man bislang nur am Tumorgewebe führen und das bedeutet immer noch eine Gewebsentnahme. Gleiches gilt für Tyrosin-Kinase-Rezeptor (NTRK)-Gene. Der neue Tyrosinkinase-Inhibitor Larotrectinib führte in 3 prospektiven Studien mit 55 Patienten bei 17 unterschiedlichen TRK-fusionspositiven Krebserkrankungen zu lang anhaltenden Remissionen. Die Gesamtansprechrate lag bei 75%. Ob durch Blutests eine aufwendige und für Patienten meist unangenehme Biopsie vermieden werden kann, ist allerdings noch nicht gesichert. Potential besteht jedoch.

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