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20 Apr
2018

Haarausfall unter endokriner Therapie

Gerade weil die Überlebensraten beim Brustkrebs mittlerweile sehr hoch sind, können die emotionalen Folgen der Krebsdiagnose und die Auswirkungen der Behandlung sehr belastend sein. Zu den Problemen, die sich signifikant auf die Lebensqualität auswirken, gehört auch der Haarausfall und die sichtbare Ausdünnung des Haars im Zusammenhang mit der Krebsbehandlung. Der Haarausfall beeinträchtigt die Wahrnehmung von Aussehen, Körperbild, Sexualität und Selbstwertgefühl der betroffenen Patientinnen. Der Einfluss eines Chemotherapie-induzierten Haarausfalls (Alopezie) ist bekannt. Weniger bekannt ist, dass auch die endokrine Therapie eine dem androgenetischen Typ ähnliche Alopezie verursachen kann. 

Eine aktuelle Studie untersuchte ob Minoxidil, ein Arzneimittel, das zur Behandlung des erblich bedingten Haarausfalls (androgenetische Alopezie) verwendet wird, den Haarverlaust, bzw. die Haarausdünnung bei betroffenen Frauen verbessern kann. Dazu wurden 112 Patientinnen mit Brustkrebs, bei denen zwischen 2009 und 2016 eine endokrin-therapie-induzierte Alopezie (EIA ) diagnostiziert wurde, in einer spezialisierten Hautklinik und einem Krebszentrum untersucht und behandelt.

Die Alopezie war bei bei 75 Patientinnen (67%) unter Aromatasehemmern und bei 37 (33%) währen der Tamoxifentherapie aufgetreten. Bei 59 Patientinnen konnte eine Trichoskopie (digitale Methode zur Haaranalyse, mit der man verschiedene Arten von Haarausfall erkennen kann) erfolgen. Die Wirksamkeit von Minoxidil wurde nach 3 oder 6 Monaten von einem ein Untersucher, dem die Therapie nicht bekannt war, durch standardisierte klinische Fotografien der Kopfhaut gemessen. 49 Patientinnen konnten nach der Therapie ausgewertet werden. Nach Behandlung mit topischem Minoxidil wurde bei 37 von 46 Patienten (80%) eine mäßige oder signifikante Verbesserung der Alopezie beobachtet.

Kommentar Mammazentrum Hamburg: Minoxidil ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Antihypertonika, der zur äusserlichen Behandlung des androgenetischen Haarausfalls bei Frauen und Männern eingesetzt wird. Das Arzneimittel wird zweimal täglich lokal auf die Kopfhaut aufgetragen und kann bei einer regelmässigen Anwendung über Monate den Haarausfall hemmen und das Wachstum neuer Haare fördern. Zu den häufigsten möglichen unerwünschten Wirkungen gehören lokale Reaktionen und Kopfschmerzen. Minoxidil ist gefässerweiternd und wurde als blutdrucksenkendes Mittel entwickelt. Dies muss bei der Behandlung berücksichtigt werden. Systemische Nebenwirkungen können selten auftreten (Angaben aus: Pharmawiki).
Östrogenhaltiges Haarwasser zur Anregung des Haarwachstum sollte bei Brustkrebspatientinnen nicht eingesetzt werden. Nach unserer eigenen, bescheidenen Erfahrung ist die Behandlung mit Minoxidil als Versuch durchaus zur Steigerung des Haarwachstums bei leichtem Haarausfall unter endokriner Therapie geeignet. Man darf allerdings nicht zu viel erwarten. Nach den Ergebnissen der Studie kann man die Ergebnisse der Behandlung offenbar durch eine sorgfältige Haaranalyse verbessern, wenn man damit besonders gut geeignete Patientinnen auswählt. Anderen kann man damit eventuell eine Enttäuschung ersparen.

Quelle: Endocrine Therapy–Induced Alopecia in Patients With Breast Cancer. A. Freites-Martinez et al., JAMA Dermatol. Published online April 11, 2018. 

 

 

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