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13 Okt
2017

Immunmodulierende Therapie beim Brustkrebs?

Das Immunsystem verfügt über eine Reihe von Mechanismen um aggressive Abwehrreaktionen von T-Zellen (weiße Blutkörperchen) zu steuern. Tumoren missbrauchen diese Immunkontrollpunkte oder auch Checkpoints, um die gegen sie gerichtete Immunabwehr außer Kraft zu setzen. Hier greifen Checkpoint-Inhibitoren ein: Sie hemmen die Signalwege, lösen also gewissermaßen die Bremsen der T-Zellen und geben damit der Körperabwehr wieder die Möglichkeit, den Tumor zu attackieren. Checkpoint Inhibitoren werden seit ein paar Jahren erfolgreich in der Krebstherapie eingesetzt, ihre Anwendung ist allerdings auch mit Nebenwirkungen verbunden.
Die Substanzen Nivolumab, Pembrolizumab und Atezolizumab sind PD-1 und PD-L1 Inhibitoren dar, welches Checkpoint Inhibitoren sind, die sich gegen den Checkpoint PD-1 oder PD-L1 (PD Ligangen) richten. Der Name PD stammt vom englischen „programmed death“, also „programmierter Zelltod“.

Seit 2015 sind insgesamt fünf PD-1-Inhibitoren europaweit für die Krebstherapie zugelassen. Dazu gehört der Wirkstoff Nivolumab (Opdivo®), der als erster PD-1-Inhibitor die europäische Zulassung erhielt. Er kommt bei Patienten mit metastasiertem und/oder inoperablem Melanom zum Einsatz. Darüber hinaus ist das Präparat inzwischen unter bestimmten Umständen zur Lungenkrebstherapie zugelassen:

Noch nicht ganz so weit ist man bei der Behandlung von Brustkrebs. Doch auch hier laufen klinische Studien. Bei der ASCO-Jahrestagung 2017 wurden erste Wirksamkeitsdaten zu einer Kombination einer neoadjuvanten Standardtherapie mit dem Checkpoint-Inhibitor Pembrolizumab bei Frauen mit HER2 negativen Hochrisiko-Karzinomen vorgestellt. Die vorläufigen Daten lassen hoffen, dass künftig Pembrolizumab als Ergänzung zu einer neoadjuvanten Chemotherapie die Ansprechraten (pCR) bei Patientinnen mit HER2-negativen Mammakarzinomen wesentlich verbessern kann, Patientinnen mit triple negativem Brustkrebs (TNBC) scheinen am meisten von der Behandlung zu profitieren. Immunassoziierte Nebenwirkungen (Hypophysitis und Nebennnieren-Insuffizienz) können auftreten, sie sind aber durch eine Substitutionstherapie gut behandelbar.

Es gibt noch einen weiteren Ansatz zur immunmodulierenden Therapie. Tumore bestehen oft zu weniger als 50 Prozent aus Krebszellen. Vor allem an Krebszellen angrenzende Immunzellen scheinen das Wachstum des Tumors stark zu beeinflussen. Die Immunzellen haben zwei Seiten: Im Idealfall unterdrücken sie das Tumorwachstum. Unter bestimmten Umständen können sie den Krebs aber auch zu mehr Wachstum anregen. Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass Krebszellen und Immunzellen auch über Entzündungsbotenstoffe, die Zytokine, miteinander kommunizieren. Diese zelluläre Kommunikation kann sowohl das Wachstum des Brustkrebses begünstigen als auch seine Fähigkeit zu metastasieren. Es konnte gezeigt werden, dass die Entzündungsbotenstoffe, durch die die Tumorzellen mit den benachbarten Immunzellen kommunizieren, durch die antientzündlichen Wirkung von Pseudopterosin blockiert werden (Prof. Nicole Teusch, Leiterin des Forschungsprojekts „Neue Wirkstoffe aus dem Meer“ am Campus Leverkusen der TH Köln). Noch gibt es keine klinischen Studien. Aber damit würde eine weitere Möglichkeit entstehen über die Beeinflussung des Immunsystems Tumorwachstum zu hemmen.

Kommentar Mammazentrum Hamburg: Wir sind oft unsicher ob wir auf senolg über neue Therapieansätze berichten sollen, die noch nicht zur Behandlung verfügbar sind. Wir tun dies dennoch, um Patientinnen die ihre Erkrankung überstanden haben und fürchten, dass die Erkrankung zurückkommt zu zeigen, welche Fortschritte erreicht werden. Dies kann Ängste mindern, wenn das Bewusstsein wächst, dass durch neue Therapie auch neue und bessere Behandlungsmöglichkeiten entstehen werden.

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