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2 Aug
2017

Interdisziplinäre Tumorkonferenzen erhöhen Zufriedenheit der Patientinnen

Multidisziplinäre Ansätze werden in der Krebsmedizin seit mindestens 40 Jahren diskutiert, und inzwischen gehören Tumorkonferenzen wie am Mammazentrum Hamburg vielerorts zum klinischen Alltag. Völlig unumstritten sind die multidisziplinären Treffen dennoch nicht. Eingewandt wird, die Meetings erhöhten die Kosten und verlängerten die Wartezeiten für die Patientinnen, ohne einen dokumentierten Nutzen zu erzielen. In früheren Untersuchungen war allerdings gezeigt worden, dass die Konferenzen die Behandlung enger an die Leitlinien binden und die Zufriedenheit der Patienten erhöhen.

Intensiv wird derzeit diskutiert ob Brustkrebspatientinnen bei solchen Konferenzen anwesend sein und ihre Erfahrungen einbringen dürfen? Bislang finden Tumorkonferenzen meist ohne Einbeziehung von Brustkrebspatientinnen statt, denn neben einer Reihe von Vorteilen gibt es auch Punkte, die eher dagegen sprechen. Befürworter erhoffen sich davon, dass zum Beispiel die Therapieempfehlungen stärker an den Bedürfnissen und Möglichkeiten der Patientinnen ausgerichtet werden. Dagegen spricht unter anderem, dass durch die offene Kommunikation in der Runde die emotionale Belastung der Betroffenen zunehmen könnte, weil Fachbegriffe verunsichern oder Ängste ausgelöst werden. Darüber hinaus könnte die Einbeziehung der Patientinnen den administrativen Aufwand für die Tumorkonferenzen stark ausweiten. Diese strittige Frage soll nun in einem gemeinsamen Projekt der Universitätsklinika Bonn und Köln und des Centrums für Integrierte Onkologie Köln Bonn untersucht werden.
An insgesamt sechs nordrhein-westfälischen Brustzentren soll nun untersucht werden, welche Konsequenzen eine Beteiligung von Patientinnen an den Tumorkonferenzen hat. Das Projekt mit dem vollen Namen „Patient involvement in multidisciplinary tumor conferences in breast cancer care“ (Patientinnenteilnahme an multidisziplinären Tumorkonferenzen in der Brustkrebsversorgung) wird für drei Jahre von der Deutschen Krebshilfe mit rund 247.000 Euro gefördert.

Insgesamt sollen 18 Tumorkonferenzen – die Hälfte mit und die andere Hälfte ohne Patientinnenbeteiligung – anhand von Videokameras aufgezeichnet werden. Mit der geplanten Analyse der Filmaufzeichnungen betritt die Versorgungsforschung Neuland. Außerdem sollen mindestens 90 Brustkrebserkrankte unmittelbar vor und direkt nach der Tumorkonferenz sowie vier Wochen später befragt werden. Anhand von standardisierten Fragebögen wollen die Wissenschaftler Informationen unter anderem zur emotionalen Belastung der Brustkrebserkrankten und ihrer individuellen Gesundheitskompetenz gewinnen. Darüber hinaus sollen in Diskussionsrunden mit den teilnehmenden Ärzten, Pflegern, Sozialarbeitern und Psychoonkologen die Erfahrungen diskutiert und hinsichtlich der Machbarkeit ausgewertet werden. Auch die Frauenselbsthilfe nach Krebs e.V. wird in das Projekt einbezogen.

Die Resultate der Studie sollen in Fachzeitschriften publiziert und auf Kongressen der Onkologie und Versorgungsforschung diskutiert werden, um Impulse für eine patientenorientierte Versorgung von Krebspatientinnen und weitere wissenschaftliche Studien zu geben.

Quelle:Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

In einer aktuellen Studie gelang es zwar nicht zu quantifizieren, wie sich die multidisziplinären Teammeetings auf die onkologischen Resultate auswirkten. Die Autoren bezweifeln aber nicht, dass die festgestellten Veränderungen in Diagnose und Therapie das Potenzial besitzen, Über- und Untertherapie zu vermeiden und womöglich das Leben der Patienten zu verlängern.

„Multidisziplinäre Teams sind mit Sicherheit sowohl nötig als auch wichtig für eine gute Versorgung von Krebspatienten“, sagte Frederick Greene vom Levine Cancer Institute in Charlotte, North Caroline, dem CA-Journal. Seiner Ansicht nach sollten sich in multidisziplinären Teams diagnostische bzw. interventionelle Radiologen, Pathologen, medizinische Onkologen, Strahlentherapeuten und Krebschirurgen versammeln. Spezialisten für Palliativversorgung, Sozialarbeiter, Genetiker und je nach Tumorlokalisation und Patientenmanagement weitere Professionen könnten die Teams ergänzen.

Pullen LC. Evidence supports the use of multidisciplinary team meetings. CA Cancer J Clin 2017, online 11. Juli;
Quelle: onkologie@newsletter.springermedizin.de Autor: Robert Bublak

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