Intern | Impressum | Datenschutz | Mammazentrum Hamburg | Krankenhaus Jerusalem
5 Nov
2017

Molekulargenetische Testung (BRCA) vor der OP?

Viele Patientinnen mit neu diagnostiziertem Brustkrebs möchten sich einer Operation so schnell wie möglich unterziehen. Und dann möglichst alles auf einmal. Oft aber ist Sorgfalt wichtiger als Schnelligkeit. Je mehr Informationen über den Tumor vorliegen, umso besser die Behandlungsplanung. Wenn Patientinnen sich für die primäre Operation entscheiden, ist es oft nicht leicht sie von den Vorteilen des Wartens z.B. auf die genetischen Testergebnisse zu überzeugen. Patientinnen sind skeptisch und befürchten leider zu Unrecht, dass eine Verzögerung der Operation für ein paar Wochen das Überleben oder das Risiko eines Rezidivs beeinflussen wird.

Deshalb erfolgt bei jungen Patientinnen z.B. mit triple negativem Brustkrebs im Frühstadium oft die operative Therapie ohne Gentest, d.h. bevor ein BRCA1 / 2-Test durchgeführt wurde. Eine Umfrage in den USA ergab, dass nur etwa ein Drittel der Operateure Patientinnen präoperativ über eine genetische Beratung aufklären. Kurian und Kollegen befragten 2.502 Frauen von denen 666 Frauen genetischen Tests unterzogen wurden. Bei 72% konnte keine Mutation gefunden wurde, 9% hatten eine Variation von unsicherer Bedeutung und 7% berichteten über eine Hochrisikomutation im BRCA1/2 oder einem anderen risikoassoziierten Gen. Alarmierendes Ergebnis der Studie war, dass Patientinnen mit einer Variante von unsicherer Bedeutung (VUS  -variant of uncertain significance) auf die gleiche Weise wie BRCA-Mutationsträger beraten wurden, was dazu führte, dass bei 51% der Patienten mit einer VUS eine – nicht erforderliche – beidseitigen Mastektomie durchgeführt wurde.

Die genetische Untersuchung stellt zweifellos einen der bedeutendsten Fortschritte bei der Personalisierung der Brustkrebsbehandlung und der Individualisierung des Vorgehens dar. Eine ausführliche Aufklärung und eine Begleitung der Patientin bei der Entscheidungsfindung ist eine schwierige, aber dennoch wichtige Aufgabe der Behandler und sollte nicht zur Übertherapie führen.

Kommentar Mammazentrum Hamburg: Bei Frauen mit Verdacht auf familiäres Mammakarzinom ist eine genetische Beratung vor der Therapieplanung hilfreich, aber meist nicht dringend erforderlich. Wir beraten unsere Patientinnen ganz individuell. Aktuelle Leitlinien der internationalen Fachgesellschaften empfehlen bei jungen Frauen mit Hochrisikotumoren eine präoperative -neodjuvante- Sytemtherapie, die ohne Zeitverzug begonnen werden kann. Vor der Planung des operativen Vorgehens besteht dann ausreichend Zeit zur genetischen Beratung und ggf, auch Testung. Auch bei kleinen, nodal negativen Tumoren kann – wenn die Patientin einer neoadjuvanten Therapie nicht zustimmt – die operative Therapie zunächst als brusterhaltendes Vorgehen mit axillärem Staging geplant werden. Es ist wichtig die Entscheidung zu risikoreduzierenden Maßnahmen wie der beidseitigen Entfernung der Brustdrüse nicht in der Panik des ersten Augenblicks, sondern ohne Zeitdruck nach gründlicher Abwägung der Für und Wider zu treffen.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen