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22 Mai
2017

Regelmäßige ASS-Therapie – niedrigeres Brustkrebsrisiko?

Zwar gibt es schon länger Hinweise, dass ASS (Acetylsalicylsäure)* auch beim Mammakarzinom eine präventive Wirkung haben könnte. Die Datenlage ist jedoch uneinheitlich. US-amerikanische Onkologen führen die Unstimmigkeiten teilweise darauf zurück, dass in den meisten Studien weder nach dem Rezeptorstatus der Tumoren noch zwischen niedrig- und normaldosiertem ASS unterschieden wurde. 

Die Ärzte um Christina Clarke vom kalifornischen Cancer Prevention Institute (Fremont) haben den Zusammenhang anhand prospektiv erhobener Daten aus der California Teacher Study untersucht. Von rund 57.000 Frauen, die 2005/2006 im Alter von median 61 Jahren umfangreiche Angaben zu Gesundheit und Lebensstil inklusive NSAR-Anwendung** gemacht hatten, erkrankten in den nächsten sieben Jahren 1457 an Brustkrebs, mehr als zwei Drittel an HR-positiven/HER2-negativen Tumoren.

23% aller Frauen schluckten mindestens dreimal in der Woche Niedrig-Dosis-ASS (81 mg/d). Ihr Brustkrebsrisiko war, unter Berücksichtigung bekannter Risikofaktoren, um 16% geringer als das von Frauen ohne Therapie. Dafür maßgeblich war ein Rückgang des Risikos für HR-positive/HER2-negative Tumoren um 20%. Bei Tumoren mit anderem Rezeptorstatus war kein Vorteil der ASS-Therapie zu erkennen. Den Erkenntnissen zufolge wird ein Schutz nur durch die regelmäßige Einnahme von niedrigdosiertem ASS erreicht und beruht auf dem Rückgang von Hormonrezeptor(HR)-positiven/HER2-negativen Tumoren.

Eine mindestens dreimal wöchentliche Einnahme von NSAR** (inklusive ASS) war dagegen nicht mit einem reduzierten Risiko für Brustkrebs oder einen einzelnen Subtyp assoziiert. Dasselbe galt für regelmäßig angewendetes ASS in der Dosierung von 325 mg, wie es in den USA angeboten wird. Die Diskrepanz zum „Herz-ASS“ erklären die Studienautoren damit, dass ASS in der höheren Dosierung zur Schmerztherapie und daher sporadischer eingesetzt werde.
Wie lange eine regelmäßige Niedrig-Dosis-ASS-Therapie von den Frauen schon befolgt wurde – seit mehr oder weniger als zehn Jahren – hatte keinen Einfluss auf den Rückgang des Krebsrisikos. Auch durch Übergewicht wurde der Zusammenhang zwischen Herz-ASS und Brustkrebs nicht verändert.

„Die schon früher berichtete Assoziation zwischen niedrig dosiertem ASS und Brustkrebs wird möglicherweise getrieben durch eine spezifischere Assoziation mit HR-positiven/HER2-negativen Tumoren“, schreiben Clarke und Kollegen. Eine mögliche Erklärung dafür sei die Aromatase-hemmende Wirkung von ASS, alternativ könnten auch die antiinflammatorischen Effekte zur Brustkrebsprävention beitragen. Die US-Ärzte halten nun weitere Studien für notwendig, in denen niedrig dosiertes ASS „als breit verfügbare und nicht teure Möglichkeit der Chemoprävention des häufigsten Brustkrebstyps“ weiter untersucht werden soll.

Senolog hat darauf bereits im Juni 2012 in dem Beitrag „Warum Aspirin vor Brustkrebs schützen kann“  und im Sept 2014 „Können Aspirin, Ibuprofen und andere entzündungshemmenede Medikamente das Rezidivrisiko beim hormonrezeptor-positiven Brustkrebs senken?“  auf die Wirkung entzündungshemmender hingewiesen.

Fazit: Frauen, die regelmäßig niedrig dosiertes ASS einnehmen, erkranken offenbar seltener an Brustkrebs. Die Schutzwirkung scheint sich vor allem auf Hormonrezeptor-positive/HER2-negative Tumoren zu beziehen.

Quelle: Dr. Beate Schumacher www.springermedizin.de
Article: C.A. Clarke, et al., Regular and low-dose aspirin, other non-steroidal anti-inflammatory medications and prospective risk of HER2-defined breast cancer: the California Teachers Study. Breast Cancer Research 201719:52
DOI: 10.1186/s13058-017-0840-7https://breast-cancer-research.biomedcentral.com/articles/10.1186/

*Acetylsalicylsäure, kurz ASS, ist ein weit verbreiteter schmerzstillender, entzündungshemmender, fiebersenkender und thrombozytenaggregationshemmender Wirkstoff, der seit 1977 auf der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der WHO steht. Das Medikament wird seit Anfang des 20. Jahrhunderts unter dem Markennamen Aspirin von der Bayer AG vertrieben.

**NSAR, Nicht-steroidale Antirheumatika sind schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente, die kein Kortison enthalten, d.h. steroidfrei sind (z.B. Ibuprofen, Diclofenac).

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