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12 Mrz
2018

EU erkennt Bisphenol A endlich als besonders besorgniserregende Substanz an

Dass endokrine Disruptoren die Genexpression beeinflussen können, ist nicht neu. 1993 wurde erstmals eine Liste von Stoffen mit vermuteten endokrin-disruptiven Eigenschaften in der wissenschaftlichen Literatur veröffentlicht. Im Jahre 1996 erschien das Buch “Our Stolen Future.“ Theodora Colborn (1927-2014), Autorin und Gründerin der Organisation “The Endocrine Disruption Exchange” (TEDX), hat am Ende ihres der Erforschung dieser Zusammenhänge gewidmeten Lebens eine Botschaft für die Nachwelt hinterlassen: Die von hormonaktiven Substanzen ausgehende Gefahr für die Menschheit und alle Lebewesen der Erde sei größer als die Bedrohungen infolge des Klimawandels.
Bereits seit den frühen 1990er Jahren ist bekannt, dass eine große Zahl von Chemikalien in den Hormonstoffwechsel von Tieren und Menschen eingreift. Seit dieser Zeit gibt es Hinweise darauf, dass auch verschwindend geringe Mengen bestimmter Chemikalien die Funktion des endokrinen Systems stören können, deshalb werden sie als endokrine Disruptoren bezeichnet. Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) hat nun im Dezember 2017 endlich beschlossen Bisphenol A aufgrund der hormonellen Wirkungen auf Tiere in der Umwelt als besonders besorgniserregend einzustufen. Ab Januar 2018 ist Bisphenol A damit nicht nur wegen seiner schädlichen Wirkung auf den Menschen sondern auch wegen seiner Umwelteigenschaften auf der sogenannten REACH-Kandidatenliste. Nachdem Studien gezeigt haben, dass Bisphenol A bei Fischen und Froschlurchen hormonähnlich wirkt und Fortpflanzung und Entwicklung schädigt, konnte man das bisherige Zögern die Verwendungen von Bisphenol A für einen besseren Schutz der Umwelt zu beschränken, nicht mehr aufrechterhalten. Umzusetzen müssen das nun die europäischen Gesetzgeber (Pressemitteilung Umweltbundesamt vom 22.1.2018).

Warum hat das solange gedauert? Auf EU-Ebene sollte ursprünglich schon 2013 ein Gesetz zur Regulation hormonell wirksamer Chemikalien auf den Weg gebracht werden. Immerhin wurde 2011 EU-weit der Einsatz von Bisphenol A in Babyfläschchen verboten. In Frankreich und Dänemark war Bisphenol A schon früher verboten, ebenso in Kanada, Australien und in mehreren US-Bundesstaaten. Babyschnuller blieben jedoch mit der hormonell wirksamen Chemikalien belastet.

Fachgesellschaften wie die Endocrine Society veröffentlichten frühzeitig warnende Stellungnahmen,  2012 haben Wissenschaftler-Teams eine eindrucksvolle Analyse darüber veröffentlicht, welche direkten Krankheitskosten endokrine Disruptoren auslösen. Die WHO bezeichnete endokrine Disruptoren 2013 Jahren als “globale Bedrohung”. Bisphenol A (BPA), eine synthetische Chemikalie mit östrogen-ähnlicher Wirkung, wird in Produkten wie Wasserflaschen, Brillengläser, medizinische Geräte, Spielzeug, CDs / DVDs, Handys, Unterhaltungselektronik und Haushaltsgeräten verwendet. Hinzu kommen Epoxidharze, die BPA als Auskleidungen für die meisten Lebensmittel-und Getränkedosen, Klebstoffe und industrielle Schutzbeschichtungen verwenden. Trotz der Fülle von Hinweisen auf mögliche Auswirkungen von niedrig dosiertem BPA bei Labortieren, haben Vertreter der Kunststoffindustrie und BPA Produzenten immer wieder behauptet, dass BPA bei niedrigen Dosen unbedenklich sei. Bisphenol A ist Ausgangsstoff für Polykarbonat-Kunststoffe sowie Epoxidharze und gehört mit 3,8 Millionen Tonnen pro Jahr zu den am meisten produzierten Chemikalien weltweit. Innerhalb Deutschlands werden jährlich ca. 410.000 Tonnen vermarktet. Bisphenol A kann sich bei Kontakt mit Lebensmitteln aus dem Produkt lösen und ist dann in diesen nachweisbar. Der mittlere Gehalt an Bisphenol A im menschlichen Blut ist mittlerweile höher als die Konzentration, die bei Mäusen zu einer Beeinträchtigung der Sexualentwicklung führen kann. (BUND).

Senolog hatte schon 2013 in dem Artikel „Umweltfaktoren und Brustkrebs“ auf die Gefahren hingewiesen, welche von synthetischen Chemikalien mit östrogen-ähnlicher Wirkung ausgeht, die in Produkten wie Babyschnullern, Wasserflaschen, Brillengläser, medizinische Geräte, Spielzeug, CDs / DVDs, Handys, Unterhaltungselektronik und Haushaltsgeräten, Plastikgeschirr, Konservendosen und Thermopapier (z.B. Kassenbons) enthalten sind.
2015 haben wir erneut auf die immer noch unterschätzte Gefahr von hormonverändernden Substanzen in den Chemikalien, die wir alltäglich verwenden hingewiesen.
Der permanente und kaum zu vermeidende Kontakt mit hunderten Chemikalien löst generationenübergreifend Schadwirkungen aus, deren langfristige Konsequenzen im Moment kaum zu überblicken sind. Das fängt an bei Fruchtbarkeitsstörungen, Einflüssen auf Volkskrankheiten wie Übergewicht, erhöhten Blutzucker und bestimmten Krebsarten (u.a. Brustkrebs) bis hin zu Hirnentwicklungsstörungen bei Kindern. “Babys, die heute geboren werden, schwimmen in endokrinen Disruptoren”, so die drastische Warnung von Professor Barbara Demeneix aus Paris mit Verweis auf Konzentrationsmessungen im Fruchtwasser schwangerer Frauen. Was man eigentlich noch tun müsse, damit die Menschen endlich aufwachten, flehte geradezu die Reproduktionsmedizinerin Professor Tracey Woodruff aus San Francisco in der Ausgabe des renommierten “Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism”

Das Umweltbundesamt (UBA) begrüßt die Entscheidung der EU. Verbraucherinnen und Verbraucher können mit Hilfe der Smartphone-App „Scan4Chem“ des UBA bei Herstellern einfach eine Anfrage stellen – und so deutlich machen, dass sie keine SVHC (besonders besorgniserregende Stoffe) in Produkten akzeptieren.

Kommentar Mammazentrum Hamburg:
Wir unterstützen die Empfehlungen des Umweltbundesamtes: Alltagsprodukte mit Bisphenol A lassen sich vermeiden, indem man zum Beispiel von Konservendosen (dort kann Bisphenol A in der Innenbeschichtung enthalten sein) und von Plastikbehältern auf Mehrweg-Behälter aus z.B. Glas umsteigt. Bedrucktes Thermopapier wie Kassenzettel oder Fahr- und Eintrittskarten sollten soweit wie möglich über den Restmüll entsorgt werden (Umweltbundesamt). Dadurch wird verhindert, dass Bisphenol A über recycelte Papierprodukte wie Toilettenpapier wieder in den Stoffkreislauf und in die Umwelt gelangt. Weiterhin möchten wir auf die weitergehenden Empfehlungen des Zentrum für Integrative Medizin am MD Anderson Cancer Center hinweisen. Ausführliche Informationen zur Umweltbelastung bietet die Environmental Working Group (EWG).
Für Brustkrebspatientinnen von Bedeutung sind auch die Recommendations
of the Interagency Breast Cancer and Environmental Research Coordinating Committee (IBCERCC), sowie Identifying Environmental Factors in Breast Cancer.

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