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17 Jun
2018

Neue Leitlinie Brustkrebs. Wann ist der Einsatz von Komplementärmedizin zu empfehlen?

Die Leitlinien für die Diagnostik und Therapie des Mammakarzinoms wurde 2017 wurde an den neuesten Stand der Forschung und des Wissens angepasst. In einer solchen auf wissenschaftlichen Fakten basierten Leitlinie können nur gesicherte Erkenntnisse übernommen werden, was die Bewertung komplementärmedizinischer Maßnahmen erschwert. Seit der letzten Fassung von 2012 sind im Wesentlichen neue Studien zu Ernährung & Nahrungsergänzungsmitteln, sowie psychoonkologischen Aspekten und dem Wert körperlicher Bewegung publiziert worden und konnten deshalb neu aufgenommen werden.

Laut internationalen Studien wünschen sich ca. 30 % der Krebspatienten eine psychosoziale Unterstützung – durch ihren Arzt, durch Psychologen oder Psychotherapeuten aber auch durch Seelsorger und andere Betroffene. Hinsichtlich der komplementärmedizinischen Ansätze spielt der Ausbau von Angeboten der Psychoonkologie eine wichtige Rolle. Auch begleitete Bewegungsangebote (z.B.  Qigong) können die depressiven Symptome bei Brustkrebspatientinnen während der Therapie deutlich mindern.

Wenig neue Erkenntnisse gibt es zur Ernährungsberatung. Es ist nahezu unmöglich mit den Mitteln der Biostatistik den Zusammenhang zwischen der Zusammensetzung der Ernährung und dem Krankheitsverlauf zu analysieren. Das bedeutet nicht, dass es keinen Zusammenhang gibt. Nur durch die Vielzahl von Faktoren, die einen gesicherten Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung haben, ist es statistisch nicht möglich die Ernährung als Einzelfaktor zu untersuchen. Das gilt auch für sog. „Krebsdiäten“ geboten. Ob eine ketogene beziehungsweise kohlenhydratarme Diät  das Tumorwachstum durch eine nahezu zuckerfreie Ernährung stoppen kann, ist wissenschaftlich nach wie vor nicht erwiesen. Gesichert ist einzig, dass Übergewicht als negativer Faktor zu betrachten ist. Ungesichert bleibt auch der Nutzen von Nahrungsergänzungsmitteln. Auch wenn ein Einfluss von Vitaminen, Spurenelementen und Mikronährstoffen hochwahrscheinlich ist gibt es nur wenige Empfehlungen:

  • Die prophylaktische Einnahme von Vitamin D wird bei erhöhtem Osteoporoserisiko empfohlen – unter anderem dann, wenn Aromatasehemmer oder langfristig oder wiederholt Kortikoide eingenommen wurden oder werden.
  • Bei erniedrigten Serunsiegel ist eine Vitamin D – Substitution möglich.
  • Selen-Mangelzustände sollten ebenfalls ausgeglichen werden. Um Überdosierungen zu vermeiden sollte eine langfristige Substitution nur unter Kontrolle der Serumspiegel erfolgen.
  • Eine routinemäßige Nahrungsergänzung mit Vitaminen und Spurenelementen kann bei unsicher Datenlage nicht empfohlen werden. Oftmals geschieht die eigenständige Supplementation  in viel zu hohen Dosen.
  • Eine ausgewogene Ernährung sollte nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (Vollwertig essen und trinken nach den 10 Regeln der DGE) erfolgen.
  • Bei andauernder Erschöpfung und Traurigkeit können ein individualisiertes Bewegungsprogramm (Ausdauer- und/oder Krafttraining) und Entspannungsübungen empfohlen werden. 

Kommentar Mammazentrum Hamburg: Die Empfehlungen der Leitlinien sind zwar gut, aber einige Maßnahmen sind nicht im Leistungsumfang der Krankenkassen enthalten. Frauen in der postoperativen Phase, während der Chemotherapie oder in der Rekonvaleszenz haben die Möglichkeit, am Sportprogramm der Stiftung Mammazentrum Hamburg in Kooperation mit Der Club an der Alster als Weiterführung der postoperativen Physiotherapie teilzunehmen. Die Kosten  übernimmt die Stiftung Mammazentrum Hamburg für einen Zeitraum von neun Monaten. Grundsätzlich beteiligen sich die gesetzlichen Krankenkassen über die Krankengymnastik oder Physiotherapie hinaus auch an den Kosten für Sport in der Krebsnachsorge. Die entsprechenden Unterlagen sowie den „Antrag auf Kostenübernahme für Rehabilitationssport“ können Sie bei Ihrer zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung anfordern. Ebenfalls wird bei den meisten gesetzlichen Krankenversicherungen eine ambulante Ernährungstherapie bezahlt bzw. bezuschusst, wenn diese von einem Arzt angeordnet wurde und von einer zertifizierten Fachkraft durchgeführt wird. Die jeweiligen Anforderungen können jedoch von Krankenkasse zu Krankenkasse unterschiedlich sein. Zur Sicherheit sollten Sie daher die Bezuschussung bzw. Bezahlung vor Beginn der Maßnahme (z.B. MBSR) mit Ihrer Krankenkasse abklären.

 

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